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Kurzkommentar zur Debatte zum Hiroshma-Denkmal von Herrn Mischa Gabowitsch (Juli. 2010)


Denkmäler sind stumm. Nicht Tafeln oder Inschriften verleihen Ihnen Sinn, sondern der ständig wechselnde Kontext Ihrer Nutzung und Deutung. Fremdenführer, Reisegruppenleiter, Politiker und Gedenkveranstalter bestimmen die Bedeutung des toten Gesteins in viel höherem Masse als der Wille der Erbauer. Sind die sowjetischen Ehrenmale in Berlin und Wien Symbole der Befreiung oder der Besatzung? Ist das Holocaust-Denkmal ein Zeichen der Reue und des "Nie wieder!" oder eine Ablasshandlung "Stehen" diese und andere Mahnmale für die vielen individuellen Toten oder für den Staat, der sich durch den Bezug auf sie legitimieren will?

Robert Mackay schlägt sich durch seine Kritik am Hiroshima-Denkmal, das am Sonntag gegenüber dem Truman-Haus in Potsdam eingeweiht wird, eindeutig auf die Seite der Staatsräson. Subjekte des Gedenkens sind für ihn grundsätzlich Nationalstaaten und Völker: eine Erinnerung an Hiroshima erlaube es "Japan", seine kriminelle Vergangenheit zu verdrängen, Kritik an Präsident Truman sei eine Ohrfeige für "Amerika", und ein solches Denkmal vertusche das Leiden von Millionen Asiaten unter japanischer Besatzung.

Damit aber ausgerechnet das Hiroshima-Gedenken zu kritisieren, ist ganz besonders unglücklich, wenn nicht zynisch. Nach schwierigen Anfängen haben sich die Gedenkstätten in Hiroshima und Nagasaki, ebenso wie das Kiotoer Friedensmuseum, zu Horten des japanischen Pazifismus und der schonungslosen Kritik an der eigenen Vergangenheit entwickelt. Die Offenheit, mit der dort die Kriegsverantwortung und die Verbrechen gerade der japanischen Besatzungsarmeen dargestellt werden, ist selbst für deutsche Verhältnisse radikal, auch Jahre nach der Wehrmachtsausstellung. Dabei wird inzwischen auch der koreanischen und chinesischen Atombombenopfer gedacht. In einem Video-Interview, das im Hiroshima-Museum zu sehen ist, relativiert ein japanischer Überlebender das eigene Leid angesichts der vielen Wellen von Tod und Zerstörung, die Japaner und andere über die koreanische Halbinsel gebracht haben. Die Bürgermeister der beiden Städte setzen sich seit Jahrzehnten für Vergangenheitsaufarbeitung, für atomare Abrüstung und für den Weltfrieden ein, angesichts der Drohungen und Attentate seitens japanischer Nationalisten auch unter Einsatz des eigenen Lebens. Ihre Initiative durch ein Hiroshima-Mahnmal in Potsdam zu fördern, könnte ein kleiner Beitrag zur Stärkung derjenigen sein, die, gerade auch in Japan und den USA, den Frieden und die Aufarbeitung der Vergangenheit über nationale Egoismen und zynische Staatsräson stellen.

Ein Denkmal ist das, was man daraus macht. Machen wir daraus ein Symbol für den Frieden im Gedenken an die individuellen Opfer, unabhängig von ihrer Nationalität.


Mischa Gabowitsch
unterrichtete bis vor kurzem Soziologie und Geschichte an der Universität Princeton und ist seit Anfang Juli wissenschaftlicher Mitarbeiter am Potsdamer Einstein Forum. Er forscht unter anderem zu Kriegsdenkmälern in aller Welt. Vor zwei Wochen kehrte er von einer Forschungsreise in Japan zurück.


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 Copyright 2006 - 2010©, Hiroshima-Platz Potsdam e.V. All richts reserved.

Informationen:

Artikel vom Tagesspiegel vom 05.08.2010 "Ein Opfer bricht sein Schweigen"

Botschaft vom Bürgermeister von Hiroshima, Herrn Akiba, für die Einweihung am 25. Juli 2010
(Die deutsche Übersetzung aus dem Englischen)


Botschaft vom Bürgermeister von Nagasaki, Herrn Taue, für die Einweihung am 25. Juli 2010
(Die deutsche Übersetzung aus dem Japanischen)


Gegenstellungnahme zum Beitrag von Robert S. Mackay "Atomwaffen ächten - Legenden in Frage stellen" in den Potsdamer Neuesten Nachrichten vom 03.07.2010

Beitrag von Robert S. Mackay "Potsdam hilft Japan bei Geschichtsklitterung" im Tagesspiegel vom 01.07.2010

Videobotschaft vom Bürgermeister von Hiroshima, Herrn Akiba, für die Konferenz Mayors for Peace am 11. Juni 2010
(Englisch mit deutschen Untertiteln)


Videobotschaft vom Bürgermeister von Nagasaki, Herrn Taue, für die Konferenz Mayors for Peace am 11. Juni 2010 (Japanisch) und
die deutsche Übersetzung seiner schriftlichen Botschaft aus dem Japanischen


Brief vom Bundespräsidenten a. D., Herrn Dr. von Weizsäcker
(April 2010)


Unbedenklichkeitserklärung für den Stein aus Hiroshima
PDF-Datei herunterladen


Unbedenklichkeitserklärung für den Stein aus Nagasaki
PDF-Datei herunterladen


Brief an den Bürgermeister von Hiroshima, Herrn Akiba
(Aug. 2007)


Videobotschaft vom Bürgermeister von Hiroshima, Herrn Akiba
(Jun. 2006), PDF-Datei herunterladen


Grusswort vom Oberbürgermeister von Potsdam, Herrn Jakobs
(Jun. 2006)